Der Milchmarkt befindet sich in einer dramatischen Lage. Ausgelöst durch ein Überangebot an Rohmilch befinden sich die Milcherzeugerpreise auf einem historisch niedrigen Niveau. Die prognostizierte Nachfragesteigerung in Drittländern ist nicht eingetreten. Im Zusammentreffen mit einer weltweiten Ausweitung der Milchproduktion kollabieren die Milchmärkte aktuell. Auch wenn die EU-Milchquoten nicht ganz ausgenutzt werden, liegen die Produktionsmengen innerhalb der EU doch über der realen Nachfrage.
Um schnellstmöglich wieder ein Marktgleichgewicht herstellen zu können, sind neben Absatz fördernden Maßnahmen vor allem Angebot anpassende Schritte notwendig. Angesichts der dramatischen Liquiditätslage sehr vieler Milchviehbetriebe ist es nun unerlässlich, auch sofort wirksame Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit anzugehen. Generell gilt, dass sämtliche Möglichkeiten sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene zu nutzen sind, um das Marktgleichgewicht wiederherzustellen.
1. Milchmarktgleichgewicht wiederherstellen
2. Bestehende Produktbestände abbauen
Die in den Interventionsbeständen befindlichen Produktmengen sind gemäß unserem Konzeptpapier vom 4. Dezember 2008 mit entsprechenden Stützungszahlungen schnellstmöglich marktunschädlich dem Futtermittelsektor zuzuführen. Dafür sind die im Rahmen des so genannten Milchfonds vorgesehenen Mittel oder Mittel der EU-Marktordnung (Intervention, Exporterstattungen) zu verwenden.
3. Erhöhung des Milchabsatzes
4. Kostenentlastung
Der Umrechnungsfaktor für Milch muss umgehend dem EU-Niveau von 1,03 angepasst werden. Damit ist eine Kostenreduktion für die deutschen Milcherzeuger von 1 % zu erreichen.
5. Änderung des Kennzeichnungsrechtes
Um eine weitergehende Verbrauchertäuschung zu unterbinden, ist umgehend das Kennzeichnungsrecht anzupassen. Bei Monoprodukten und bei zusammengesetzten Lebensmitteln ist für die wichtigsten Zutaten, d.h. Wert gebenden Zutaten wie Milch mit mehr als 25% Anteil am fertigen Lebensmittel, das jeweilige Herkunftsland anzugeben. Nicht der Abfüllort darf maßgeblich für die Deklaration sein, sondern das Herkunftsgebiet der Milch.
6. Liquidität schaffen
Sämtliche Maßnahmen zur Marktbereinigung können vom BDM nur mitgetragen werden, wenn entsprechende Maßgaben, die eine nachhaltige Schaffung eines Marktgleichgewichtes ermöglichen, mit beschlossen werden. Einseitige finanzielle Hilfen ohne Beseitigung der eigentlichen Problemursachen verpuffen in ihrer Wirkung und sind deshalb kritisch zu sehen. Insbesondere das Vorziehen der Direktzahlungen macht nur dann Sinn, wenn gleichzeitig daran gearbeitet wird, ein Marktgleichgewicht zu schaffen. Geschieht dies nicht, wird das dadurch jetzt „gestopfte“ Liquiditätsloch in der gleichen Intensität am Jahresende, wenn dann die Direktzahlungen fehlen, wieder auftreten.
Nur mit einer schnellen Umsteuerung des Milchmarktes wird die Möglichkeit geschaffen, eine wirtschaftliche Milchproduktion mit all ihren positiven Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft zu erhalten.