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Archiv

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(Sachsen-Anhalt/Schinne/Belkau). Während auf den Feldern zwischen Niederschlägen und Sonnenschein die Ernte auf Hochtouren läuft, findet in den letzten Wochen vor der Bundestagswahl die heiße Phase des Wahlkampfes statt. In den vergangenen Monaten machte den Landwirten nicht nur die Unbeständigkeit des Wetters zu schaffen, sondern auch die Unentschlossenheit der Politik, entsprechende Beschlüsse für ein erweitertes Sicherheitsnetz auf dem europäischen Milchmarkt umzusetzen.

Das BDM-Landesteam Sachsen-Anhalt nutzte die Zeit im Wahlkampfendspurt und lud die Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Altmark zu Besichtigungen zweier Betriebe mit anschließender Podiumsdiskussion ein. Die Kandidaten Marina Kermer (SPD), Mirko Wolff (Bündnis 90/Die Grünen), Matthias Höhn (Die Linke), Eckhard Gnodtke (CDU und Dr. Marcus Faber (FDP) folgten der Einladung gerne. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Fragen: Wie soll es mit der Milchviehhaltung weitergehen? Nimmt die Politik alle 3 Jahre eine Milchkrise mit unnötigen Betriebsinsolvenzen in Kauf? Wann werden endlich die Beschlüsse für ein effizientes Sicherheitsnetz umgesetzt? Bevor sich die Politiker inhaltlich äußerten, zeigten die Betriebsleiter den Kandidaten sowie den zahlreichen Gästen ihre Höfe.
Zuerst ging es auf den Milchviehbetrieb von Frank Lenz in Schinne. Betriebsleiter Lenz will mit seinem 350 Milchkuhbetrieb eine spezielle Marke „Elternzeitmilch“ produzieren und stellt aktuell auf muttergebundene Kälberaufzucht um. Bisher werden Kuh und Kalb nach dem Abkalben in kürzester Zeit getrennt und die Kälber werden zweimal täglich mit Milch aus dem Nuckeleimer gefüttert. Dagegen bleiben bei der Elternzeitmilch nach der Geburt Milchkuh und Kalb fünf Tage für die wichtige Prägungsphase jahreszeitabhängig zusammen im Stall oder auf der Weide, damit sich Kuh und Kalb im weiteren Prozess erkennen. Für das dreimal tägliche Melken verlassen die Kühe ihre Kälber und werden dann wieder zurückgeführt. Vor den Gästen des Abends betonte Frank Lenz, „Ich bin überzeugt davon, dass Elternzeitmilch ein glückliches Produkt ist und der Anforderung nach Tierwohl und artgerechter Haltung absolut nachkommt“.
Anschließend wurde die Betriebsbesichtigung auf dem Biobetrieb von Carla und Theo Aue fortgesetzt. Die Familie Aue bewirtschaftet mit sieben Festangestellten und einem Azubi 400 Milchkühe und über 320 ha Acker- und Grünland nach EU-Biokriterien. Während des Rundgangs beschrieb Theo Aue, dass er in der Milchproduktion nach ökologischen Produktionskriterien zunächst eine Nische sah. Allerdings stieg der Familienbetrieb aus der Biomilchproduktion wieder aus. Die Umstellung auf konventionelle Milcherzeugung erfolgte am 1. August 2017, da Arla zukünftig bei der EU-Biomilch die Weidehaltung im Biomilchsegment zur Pflicht macht. Den Besuch der Politiker nutzte der Milchviehhalter auch, um die bürokratischen Hürden an praktischen Beispielen aufzuzeigen. Leider dauere beispielsweise die Bearbeitung der Bauanträge bzw. Genehmigungen der Investitionsvorhaben häufig sehr lange. Aue erzählte über sein Vorhaben einer kleinen Biogasanlage, die nur Reststoffe verarbeiten sollte. Die Antragsbearbeitung bei den lokalen Behörden nahm viel Zeit in Anspruch und verschlang hohe Geldsummen durch unzählige Gutachten. Inzwischen war der Bundestag schneller und verabschiedete die Novellierung des EEG - mit dem Ergebnis, dass der Milchviehhalter nach dem neuen EEG sein Biogasvorhaben nicht realisieren wird. Diese Beispiele boten für die im Anschluss stattfindende Podiumsdiskussion viel Gesprächsstoff.
In der darauffolgenden Kandidatenrunde äußerte CDU-Vertreter Eckhard Gnodtke, dass es so wie es bis jetzt in der Landwirtschaft laufe, zukünftig nicht mehr weitergehen könne. Gleichzeitig betonte er, dass es eine Nachfolgeregelung in Form einer Quote nicht geben werde. Die sozialdemokratische Kandidatin Marina Kermer zeigte sich bestürzt über die vielen Auflagen und Vorschriften, mit denen Landwirte bei der Arbeit auf dem Feld oder im Stall sowie bei Bauvorhaben zu kämpfen hätten. Nach den praktischen Eindrücken sei ihr klargeworden, dass finanzielle Beihilfen zu Krisenzeiten aus der EU und dem Bund den Milchviehbetrieben langfristig nicht helfen, sondern Lösungen für einen stabilen Milchmarkt gefunden werden müssen. Dr. Marcus Faber von der FDP sprach sich für bessere Wettbewerbsbedingungen für die Milchviehhalter aus, um überhaupt als gleichberechtigte Marktteilnehmer agieren zu können. Matthias Höhn, Landtagsabgeordneter und Vertreter der Linken, erklärte die Wichtigkeit, einen Mechanismus zu finden, der lange greift. Deshalb sei er dankbar für den Vorschlag des BDM, das EU-Sicherheitsnetz mit effizienten Kriseninstrumenten zu erweitern. Auch der Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen, Mirko Wolff, unterstützte ausdrücklich das Milchmarkt-Krisenmanagement-Konzept des BDM. Aus seiner Sicht hätte Deutschland große Chancen, das europaweite Sicherheitsnetz auszubauen.
Einigkeit herrschte unter den Bundestagskandidaten bei den Themen rund um die Digitalisierung und den weiteren Breitbandausbau, um die Internetversorgung in der Altmark in der Fläche gewährleisten zu können. Ein weiteres Gesprächsthema war der zukünftige Umgang mit dem Wolf. Die Politiker plädierten hier für eine sachliche Diskussion.

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