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Zur Eröffnung der Ausstellung „Milch reist nicht gerne, Milchbauern schon“ in der KVHS Norden am 23.11. hatten Ottmar Ilchmann, Landesvorsitzender der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), Peter Habbena, Beirat im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und Annette Berndt, Agrarwissenschaftlerin aus Norden eingeladen.

Die Ausstellung ist eine Reisereportage mit besonderer Zielsetzung, und da schien es naheliegend, dass die Reiseteilnehmer Frau Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung von Misereor, und Herrn Christoph Lutze, Landwirt und Mitglied des BDM-Vorstands Schleswig-Holstein, zur Eröffnung von der Reise nach Burkina Faso berichten. Frau Lanje stellte das kath. Hilfswerks Misereor vor und stieg rasch in das Fachgebiet Milchmarkt ein. An die Zuhörer stellte sie die Frage: „Wie viel Milch trinken Sie so am Tag?“ Einen Liter schaffen die wenigsten, selbst die Milcherzeuger nicht, die überwiegend im Publikum vertreten waren. Frau Lanje präsentierte eine Weltkarte mit dem durchschnittlichen Frischmilchverbrauch. Auf dieser war ganz Nordeuropa satt dunkelblau gefärbt für hohen Konsum, während weite Gebiete in Afrika und Asien hell blieben, gleichbedeutend mit sehr geringem Verbrauch. Die Steigerung der europäische Frischmilchproduktion ist innerhalb Europas kaum abzusetzen, deshalb setzen die Molkereien auf den Weltmarkt.  Also verarbeiten sie die Milch zu Magermilchpulver für den Export. Eine Grafik veranschaulichte den EU-Exportzuwachs von 30.000 t im Jahr 2003 auf fast 70.000 t im Jahr 2014. Was richten diese Exporte in Westafrika an? Dieser Frage war die Reisegruppe im Mai 2016 in Burkina Faso nachgegangen.
„Wir haben konkret nach dem Milchpulver auf den Märkten gesucht und sind schnell fündig geworden, das meiste war von Danone und Nestlé“, berichtete Christoph Lutze. „Da fanden wir Milchpulver und gleich daneben Pflanzenschutzmittel und Tierarzneien mit englischer Beschriftung, wo doch französisch die Amtssprache ist und im Land 60 weiteren Sprachen gesprochen werden, Sprachen, nicht Dialekte“, wie Herr Lutze betonte. „Außerdem kann nur ein Drittel der etwa 21 Mio. Einwohner lesen und schreiben, es werden aber mehr“. Auch Frischmilch wurde auf dem Markt angeboten, jedoch ungekühlt bei Tagestemperaturen von 30-40°C.
Die Reisegruppe besuchte Märkte, Milchbauern und Molkereien im ganzen Land. Misereor unterstützt zusammen mit der burkinischen Organisation pasmep den Aufbau von Minimolkereien, wo Milch pasteurisiert und gekühlt wird für den Verkauf auf umliegenden Märkten. Wenn mit dem Einsetzen der Regenzeit die Futterpflanzen in die Höhe schießen, geben die Kühe viel mehr Milch, die dann zu länger haltbarem Joghurt verarbeitet werden kann. Dies sind Ansätze für eine gute, eigenständige Entwicklung eines heimischen Milchmarktes. Durch das billige Milchpulver aus Europa wird er zerstört. Auch in der Europäischen Vertretung in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou wurde die Gruppe mit Vertretern von pasmep vorstellig. Die Problemlage wurde beschrieben und ein Papier unterzeichnet. Herr Lutze war nicht wirklich überzeugt, dass die dortigen Mitarbeiter sich für die Situation der kleinen Milchproduzenten im eigenen Land interessieren. Längst hat das European Milk Board selbst Mittel in die Hand genommen für eine Bildungsstätte für Milchverarbeitung und -vermarktung in Burkina Faso zusammen mit den vertraut gewordenen Partnern vor Ort.
In der sich anschließenden Diskussion kreisten die Fragen um die Verantwortung der Milchbauern und Molkereien in Europa und mögliche Lösungen. Aus dem Publikum kam die Anregung, die Bauern sollten Milchverarbeitung und  –vermarktung wieder selbst in die Hand nehmen. „Aber genau so haben die genossenschaftlich organisierten Molkereien  hier in Ostfriesland auch mal ganz klein angefangen, “ erklärte Ottmar Ilchmann. Inzwischen sind die kleinen weg, viele Molkereien fusionierten, sind große Konzerne geworden, zum global player in der Lebensmittelindustrie, die den Strukturwandel begrüßen. Schließlich ist es leichter mit wenigen Großbetriebsleitern, die Milch produzieren, handelseinig werden, als mit vielen kleinen. Soll man also mit Neugründungen „das Rad neu erfinden?“  Herr Habbena beleuchtete darauf den Punkt Ausbildung und machte deutlich: „In der Milchwirtschaft lernen wir alles über die Produktion bis ins kleinste, aber an der Milchkammertür ist Schluss. Weiterverarbeitung und Vermarktung? Fehlanzeige!“
Es ist geplant, die offene Diskussion am 15. Dezember fortzusetzen mit Vertretern der Landwirtschaft, der amtierenden Landespolitik sowie des Molkerei- und Bildungswesens. Der genaue Veranstaltungshinweis erfolgt Anfang Dezember.
Interessierte Gruppen und Schulklassen sind schon jetzt eingeladen, sich durch die Ausstellung führen zu lassen und zu diskutieren. Terminabsprachen nimmt Annette Berndt unter annette.berndt@ewetel.net entgegen.

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