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Das war die zentrale Frage beim traditionellen Milchbauerntag des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) e.V. in Osterrönfeld. Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Praxis stellten sich den Fragen von Moderatorin Dr. Andrea Fink-Keßler, Leiterin des Büros für Agrar- und Regionalentwicklung in Kassel, und des Fachpublikums. Die Podiumsteilnehmer richteten ihren Blick dabei aus ganz verschiedenen Perspektiven auf die Landwirtschaft und speziell auf die Milchviehhaltung.

In seinen Begrüßungsworten nutzte Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck zunächst die Möglichkeit, dem BDM zum 20jährigen Jubiläum zu gratulieren und seinen großen Respekt für ihr unerschütterliches Engagement und die geleistete Arbeit auszusprechen. „Hört nicht damit auf, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen. Nur so wird sich etwas bewegen.“
Zur zentralen Fragestellung des Tages verwies Habeck darauf, dass trotz des guten Milchjahres 2017 von Entspannung auf den Milchviehbetrieben aufgrund der vorangegangenen langanhaltenden Milchkrise noch nicht die Rede sein könne. Mit Blick auf den sich weiter ankündigenden sinkenden Milchauszahlungspreis, bleibe die Lage für die Milchbetriebe weiter unsicher. „Es ist leider noch immer aktuell, über die Einführung geeigneter Kriseninstrumente im Milchmarkt zu diskutieren. Aber: Steigende Milchmengen führen immer wieder zu Preiseinbrüchen. Hier müssen wir aus den vergangenen Milchkrisen lernen und Lösungen finden, die Ausgestaltung der Lieferbeziehungen und geeignete Krisenmaßnahmen können Antworten sein. Hier hat aber vor allem die Milchbranche selbst eine echte Verantwortung“, so der Minister.

Dass die Zukunft der Landwirtschaft Wellen in alle Bereiche schlage und somit von großer Bedeutung für jedermann sein müsse, verdeutlichte Dr. Michaela Christ, Soziologin an der Europa-Universität Flensburg. „Landwirtschaft ist die Erwerbs- und Existenzgrundlage von mehr als einem Drittel der Menschheit, Ernährung insgesamt der wichtigste Wirtschaftszweig der Welt, Veränderungen in der Landwirtschaft haben umfassende Auswirkungen auf die Natur, den Einzelnen und die Gesellschaft - mir scheint, das sind ausreichend Gründe, um sich mit der Zukunft der Landwirtschaft zu beschäftigen.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ulrich Koester, Agrarökonom an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig seine Teilnahme absagen musste, beschrieb in einem vorgetragenen Statement die Sonderstellung der Landwirtschaft. Er schilderte die Landwirte als Menschen, die ihren Beruf ergriffen haben, weil sie aus persönlicher Neigung Landwirte werden wollten. Der Beruf habe viele Vorteile, die einen Einkommensunterschied zu vielen anderen Tätigkeiten oft ausgleichen würden. Die Perspektiven der Junglandwirte ergäben sich nicht aus der gegenwärtigen Situation auf dem jeweiligen Hof, sondern aus der Fähigkeit, sich anzupassen.

Für mehr Verständnis zwischen Verbraucher und Landwirt bzw. und der Landwirtschaft im Allgemeinen warb Benedikt Haerlin, Leiter des Berliner Büros der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Um Vorurteile abzubauen, sei die Intensivierung des Dialoges von enormer Wichtigkeit. „Wir wollen keinen Hof mehr verlieren – das sollte die gesellschaftliche Anforderung sein!“ machte der Mitbegründer der Plattform „Meine Landwirtschaft“ ganz klar deutlich.

Als aktiver Milchviehhalter schilderte Frank Lenz aus Sachsen-Anhalt die Rolle, in die seiner Ansicht nach die Milchbauern gedrängt werden. Durch immer mehr Arbeit werde nur noch reagiert, wobei kaum noch Zeit zum Reflektieren bleibe. „Aber so lange der Milchpreis nicht kostendeckend ist, wird immer mehr Zeit benötigt, um die Mehrmenge an Milch zu produzieren, die nötig ist, um den Umsatzrückgang aufzufangen.“ Er riet den Gästen, den eigenen Betrieb nicht nur für die nächste Generation, sondern vor allem auch für sich selbst zu führen und sein Leben dementsprechend zu gestalten.

Die anschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum unterstrichen immer wieder den Druck, der auf den Landwirten laste. Aufgrund immer weiterer politischer Auflagen und Anforderungen aus Wirtschaft und Gesellschaft werde der Handlungsspielraum sowie auch der finanzielle Spielraum des Einzelnen, soweit überhaupt noch vorhanden, immer kleiner. Nur mit einem auskömmlichen Milchpreis sei deshalb eine zukunftsfähige Milchwirtschaft möglich. Hier sei die Politik gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Habeck erwiderte, dass er ebenfalls die Politik in der Pflicht sehe, um auch den ländlichen Raum zu erhalten - denn weshalb bräuchte man überhaupt ein Landwirtschaftsministerium, wenn man sage, der Markt regle alles. Allerdings appellierte er an die Milchviehhalter: „Wenn der BDM nur über den Preis springt, dann springt er zu kurz. Ihr müsste euch der Debatte stellen, ob Preise auch über andere Wege zu generieren sind. Die Ökologie muss mit der Ökonomie verbunden werden.“

In seiner abschließenden Zusammenfassung machte Achim Schoof stellvertretend für den BDM in Schleswig-Holstein deutlich, dass angesichts der aktuellen Marktentwicklung sowohl der unternehmerische als auch politische Handlungsbedarf sehr hoch sei und nicht noch mehr wertvolle Zeit verloren werden dürfe – wenn nicht noch mehr Milchviehbetriebe verloren gehen sollen.

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