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Die Geschichte des BDM

Hintergrund der Gründung des BDM

Jahrzehntelang hatte man den Milcherzeuger beigebracht, sich ausschließlich um die Produktion der Milch zu kümmern. Volkswirtschaftliche Zusammenhänge sowie die Funktionsweise des Milchmarktes waren aus dem Blickfeld geraten. Den Milcherzeugern wurde regelmäßig erklärt, dass sie sich darum nicht kümmern bräuchten – das würden andere für sie machen.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der politischen Wende war für die Milcherzeuger eine der ersten größeren Krisen auf dem Milchmarkt zu spüren. Vom Milchpreishoch Ende des Jahres 1989 ging es, ausgelöst auch durch die Aufweichung der Milchquotenregelung, in ein Preistief.

Diese Situation führte dazu, dass sich die Milcherzeuger in den verschiedenen Regionen der alten Bundesländer stärker in die Vertretung der Milcherzeugerinteressen einbrachten. Ihr Ziel war es, sich um die Gestaltung des Milchmarktes im Sinne eines marktwirtschaftlichen Verhaltens zu kümmern. Die MacSharry-Reform 1992, die die Gemeinsame Agrarpolitik grundlegend verändern sollte, sah unter anderem vor, die Agrarpreise zu senken und für die entstandenen Einkommensverluste flächen- und tiergebundene Ausgleichszahlungen zu leisten. Für die Milcherzeuger zeichnete sich damit ab, dass sie sich künftig als Interessensvertreter nur noch um die Gewährung der Ausgleichszahlungen kümmern sollten. Ein weiteres Ziel der Milcherzeuger war Mitte der 90ziger Jahre die Initiierung einer eigenen Milchinteressensvertretung unter dem Dach des so genannten Einheitsbauernverbandes.

Der Unmut der Milcherzeuger über die nach ihrer Ansicht ungenügende Vertretung ihrer Interessen war in allen Landesteilen der alten Bundesländer zu verspüren. In vielen Regionen bildeten sich Interessensgemeinschaften verschiedener Formen und mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen – doch hatten alle eines gemeinsam: Sie wollten Einfluss nehmen auf die Gestaltung des Milchmarkts. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen machten sie auf die völlig unbefriedigende wirtschaftliche Lage der Milcherzeuger aufmerksam.

Die Interessensgemeinschaften zeigten sich aktiv: Eine der spektakulärsten Aktionen war die Organisation von „Bummeleinkäufen“ beim Lebensmitteleinzelhandel, mit denen die Einkaufsmärkte lahm gelegt wurden, um damit auf die Verschleuderung von Milchprodukten aufmerksam zu machen. Außerdem wurden Autobahnen blockiert und Politiker bei Veranstaltungen mit deutlichen Unmutsäußerungen konfrontiert.

Innerhalb des Einheitsbauernverbandes verfolgte man diese Aktivitäten kritisch und arbeitete sogar dagegen, obwohl sich fast alle dieser Milcherzeuger, die sich nicht mit der wirtschaftlichen Schieflage abfinden wollten, in der ehrenamtlichen Arbeit des Bauernverbands engagierten.

Gründung des BDM

Anfang Januar 1998 kam es schließlich zu einem ersten Treffen der Führungskräfte der verschiedenen regionalen Interessensgemeinschaften in Bonn. Nach einer Nachtsitzung war klar, dass eine bundesweite Zusammenarbeit unabdingbar war, um nicht nur bestehen zu können, sondern auch weiter an Wirkungskraft zu gewinnen. Die Zusammenarbeit der Interessensgemeinschaften in den alten Bundesländern wurde beschlossen. Insgesamt sechs Regionalorganisationen gründeten den BDM e. V. als Dachverband. Als unabhängiger, überparteilicher Verband wurden die Kräfte gebündelt und die Belange der Milcherzeuger mit einer gemeinsamen Stimme vertreten.

2004 entwickelte sich auch in den nördlichen und vor allem den neuen Bundesländern ein erfreuliches Engagement der Milcherzeuger. Im Februar 2004 wurde daher der BDM Nord e.V. gegründet - sein Wirkungsgebiet erstreckte sich neben den neuen Bundesländern auch auf die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Mit spektakulären Aktionen und Demonstrationen machte der BDM Nord auf die Situation der Milcherzeuger und auf die negativen Folgen einer marktbeherrschenden Stellung von Molkereikonzernen wie der Nordmilch aufmerksam.

Um effizient und mit gebündelter Kraft auftreten zu können, beschlossen die Mitglieder von BDM e.V. und BDM Nord e.V. schließlich eine Fusion der beiden Verbände. Am 3. Juni 2006 wurde der Verschmelzungsvertrag zwischen BDM e.V. und BDM Nord e.V. notariell beurkundet. Gleichzeitig fand eine Umstrukturierung statt: Der BDM e. V. wandelte sich vom Dachverband zum Einheitsverband. So sollten die einzelnen Mitglieder durch ihre direkte Einzelmitgliedschaft noch mehr Einfluss auf die Gestaltung ihrer Interessenvertretung nehmen können.