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Politik

Das Jenaer Milchbauern-Manifest

zur Agrarministerkonferenz vom 30. März bis 1. April 2011

Die Diskussion um die Ausrichtung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik ist gekennzeichnet von ganz unterschiedlichen Positionen. Während Einige für die GAP keine Veränderungsnotwendigkeiten sehen, gibt es immer mehr Stimmen aus der Mitte der Gesellschaft, die eine grundlegende Neuausrichtung der GAP 2013 fordern.

Ein weiterer Schwerpunkt der politischen Diskussion ist die Gestaltung der zukünftigen Rahmenbedingungen für den Milchmarkt. Die Vorschläge der EU-Kommission vom 9. 12.2010 dienen hierfür als Grundlage.

Für die Milchbauern steht und fällt mit der Ausrichtung der GAP 2013 die weitere berufliche Entwicklung.

Die bisherige Ausrichtung der GAP war geprägt von dem Leitgedanken, weltweite Wettbewerbsfähigkeit für die EU-Agrarproduktion herzustellen. Der dafür notwendige Anpassungsprozess sollte mit staatlichen Transferzahlungen begleitet werden und die Direktzahlungen waren zunächst für einen begrenzten Zeitraum vorgesehen. Aufgrund der steigenden Weltbevölkerung und einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten wurde ein bedeutender Anstieg der Nachfrage und dadurch bedingt auch ein Steigen der Erzeugerpreise auf den Märkten erwartet. Tatsächlich wächst der Bedarf an Nahrungsmitteln - gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern - zwar ständig, es fehlt jedoch immer noch die Kaufkraft, um diesen Bedarf mit europäischen Lebensmitteln decken zu können. Im Sinne der Ernährungssouveränität von Drittländern ist es zudem nicht vertretbar, den Nahrungsgrundbedarf dauerhaft auf Nahrungsmittelimporten aufzubauen. Fast 20 Jahre nach der erfolgten Umsteuerung der GAP im Zuge der McSharry-Reformen sind die ihnen zugrundeliegenden Prognosen nicht eingetreten. Der Marktpreis für Getreide und auch Milch liegt meist auf nicht kostendeckendem Niveau. Lediglich in kurzzeitigen Phasen eines Marktgleichgewichtes konnten Erzeugerpreise realisiert werden, die zumindest annähernd eine Vollkostendeckung zuließen.

Die Debatte der GAP 2013 muss wieder zu einem grundsätzlichen Überdenken der EU-Agrarpolitik Anlass geben. Die bisherige europäische Agrarpolitik führte zu einem massiven Abbau der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft - ohne gleichzeitig eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive für die noch in der Produktion verbleibenden Landwirte zu schaffen. Folgen sind außerdem eine massive Intensivierung der Landwirtschaft sowie eine immense soziale Belastung der in der Landwirtschaft tätigen Menschen. Bei der Verteilung der Finanzmittel wurde der Arbeitskräftebedarf, der in den einzelnen Sparten der Landwirtschaft sehr unterschiedlich ausfällt, bisher nicht berücksichtigt.

<u>Die aktuellen Entwicklungen am deutschen Milchmarkt</u>

Mit immer größer werdenden Unternehmensstrukturen will sich die deutsche Molkereiwirtschaft gegenüber dem Handel besser aufstellen. Die Fusion zum Deutschen Milchkontor DMK gilt dafür auf politischer Ebene als leuchtendes Beispiel. Dabei werden gerne die folgenden Zwischenergebnisse der Sektoruntersuchung Milch des Bundeskartellamts verdrängt:

„Im Verhältnis zwischen Molkereien und Erzeugern hat die Beschlussabteilung trotz der „vertikalen“ Integration vieler Erzeuger in genossenschaftliche Molkereien ein Machtgefälle zu Lasten der Erzeuger festgestellt. Auch größere Genossenschaften werden nach Auffassung der Prüfer von den Erzeugern nicht mehr als „eigene“ Molkerei wahrgenommen und verhalten sich de facto am Markt auch nicht mehr so.“

„Grundsätzlich haben weder private noch genossenschaftlich organisierte Molkereien einen Anreiz, im Interesse der Milcherzeuger einen möglichst hohen Milchauszahlungspreis zu zahlen. (..) Die Gewinnmaximierungsstrategie eines jeden weiterverarbeitenden Unternehmens ist darauf gerichtet, die Beschaffungskosten möglichst gering zu halten.“

„Die Art und Weise der Preisbildung bei genossenschaftlichen Molkereien („upside down“) führt dazu, dass die Molkereien kein originäres Eigeninteresse an der Erzielung hoher Preise für ihre Molkereiprodukte haben, weil sie als Molkerei nur ein begrenztes wirtschaftliches Risiko tragen.“

Das Bundeskartellamt zog daraus die Schlussfolgerung, dass insgesamt die Preisfindung für die Milcherzeuger derzeit nicht in einem funktionsfähigen Wettbewerbs- und Marktumfeld erfolgt.

Die vorliegenden Vorschläge der EU-Kommission geben keine Antwort auf diese Erkenntnisse der Wettbewerbsbehörde. Die deutsche Bundesregierung berücksichtigt bisher diese Ergebnisse in ihrer Argumentation nicht. Vielmehr stellt sie die Marktsituation der deutschen Milcherzeuger als vorbildlich für die EU dar. Nach ihrer Ansicht besteht nur marginaler Handlungsbedarf.

Wir BDM-Milcherzeuger sind hingegen überzeugt, dass es viele Gründe für eine Neuorientierung der GAP 2013 gibt - die wichtigsten haben wir im Folgenden zusammengefasst:

10 gute Gründe für eine Neuorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)

1.FÜR gerechte und vernünftige Rahmenbedingungen

Die Milchbauern in Deutschland und Europa sollen von ihrer Arbeit und ihrem Produkt leben können. Dafür brauchen sie kostendeckende Milchpreise und einen funktionierenden Milchmarkt, der allen Beteiligten ein vernünftiges Wirtschaften ermöglicht.

2.FÜR eine Stärkung der Erzeuger

Die Milcherzeuger brauchen faire Marktchancen. Ziel muss sein, die Erzeuger in der Wertschöpfungskette zu stärken, damit die Nachfragemacht von Handel und Molkereiwirtschaft ein Gegengewicht erhält und Verhandlungen auf Augenhöhe möglich werden.

3.FÜR mehr gesellschaftliche Akzeptanz

Bauern und Politiker müssen an einem Strang ziehen, um gemeinsam das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen. Dafür muss eine bäuerlich geführte Landwirtschaft mit tiergerechter Haltung und regionaler Produktion, aber auch ein Verzicht auf Gentechnik wieder stärker in den Fokus rücken.

4.FÜR eine sichere Versorgung mit gesunden, vielfältigen und bezahlbaren Lebensmitteln

Der Erhalt einer vielfältigen Agrarstruktur sorgt für eine hohe Lebensmittelsicherheit. Durch mehr Wettbewerb wird nicht nur die Produktvielfalt gesichert, er sorgt auch für langfristig bezahlbare Lebensmittel.

5.FÜR stabile, krisenfeste Märkte

Durch eine intelligente Gestaltung des Milchmarktes können extreme Marktvolatilitäten mit allen unerwünschten Nebenwirkungen vermieden werden. Ein Modell der flexiblen Mengenanpassung stabilisiert den Markt, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und schafft Planungssicherheit.

6.FÜR den Erhalt von rund einer Viertelmillion Arbeitsplätzen

In Deutschland hängen bis zu 250.000 Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich von der Milchviehhaltung ab. Wenn die Milchviehhaltung in Deutschland eine Zukunft haben soll, müssen jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

7.FÜR die Sanierung der öffentlichen Haushalte

Für die Bewältigung der Milchkrise 2009/10 mussten Hilfspakete in Milliardenhöhe beschlossen werden. Diese können durch eine intelligente Gestaltung des Milchmarktes im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik weitestgehend eingespart werden.

8.FÜR eine Zukunft der ländlichen Räume

Ländliche Räume müssen jungen Menschen berufliche Perspektiven bieten. Nur dann werden kommende Generationen Betriebe übernehmen und den ländlichen Raum mit Leben füllen. Mehr Wertschöpfung in den ländlichen Räumen bedeutet zugleich höhere Steueraufkommen, die den öffentlichen Haushalten zu Gute kommen.

9.FÜR mehr Miteinander statt Gegeneinander

Agrarpolitik darf nicht mehr als reine Sektorpolitik gesehen werden, sondern muss gesellschaftspolitisch angelegt werden. Die vielfältigen Leistungen, die die Milchwirtschaft erbringt, sind wichtig für das gesellschaftliche Zusammenleben und für die Stärkung der ländlichen Räume.

10.FÜR mehr Nachhaltigkeit in der Ökologie

Vor dem Hintergrund der wachsenden Weltbevölkerung wird die Intensivierung der Landwirtschaft global zunehmen. Ziel einer verantwortungsvollen Agrarpolitik muss es sein, ökologisch wertvolles Grünland zu erhalten und dessen nachhaltige Bewirtschaftung zu fördern.


Das Lübecker Milchbauern-Manifest

zur Agrarministerkonferenz vom 6. bis 8. Oktober 2010

Die Chance der GAP 2013 – eine grundlegende Neuausrichtung ist unabdingbar!

Der BDM setzt sich für diese fünf Kernpunkte ein:

1.Der BDM fordert eine nachhaltige und vielfältige Milchwirtschaft zum Nutzen von uns allen.

2.Der BDM setzt sich für den Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen sowie die wirtschaftliche Stärke im Land ein.

3.Der BDM will eine Milchpolitik, deren Grundlage es ist, dass die deutschen Milchviehhalter von ihrer Arbeit grundsätzlich leben können.

4.Der BDM strebt ein Wirtschaften für die deutschen Milchviehhalter an, unabhängig von Steuergeldern des deutschen Staates.

5.Um Milchbetriebe nachhaltig bewirtschaften zu können, fordert der BDM einen fairen Milchpreis von mindestens 40 Cent pro Liter.

Für die Milchbauern steht und fällt mit politischen Entscheidungen die weitere berufliche und private Existenz.

Die bisherige Ausrichtung der GAP war geprägt von dem Leitgedanken, weltweite Wettbewerbsfähigkeit für die EU-Agrarproduktion herzustellen. Der dafür notwendige Anpassungsprozess sollte mit staatlichen Transferzahlungen begleitet werden und die Direktzahlungen waren zunächst für einen begrenzten Zeitraum vorgesehen. Aufgrund der steigenden Weltbevölkerung und einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten wurde ein bedeutender Anstieg der Nachfrage und damit einhergehend der Erzeugerpreise auf den Märkten erwartet. Tatsächlich steigt der Bedarf an Nahrungsmitteln, gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern, zwar ständig, die für die Deckung des Bedarfs mit europäischen Lebensmitteln notwendige Kaufkraftsteigerung ist jedoch nicht gegeben. Zudem ist es im Sinne der Ernährungssouveränität nicht vertretbar, die Deckung des Grundbedarfes an Nahrungsmitteln in den Drittländern dauerhaft auf Nahrungsmittelimporten aufzubauen. Fast 20 Jahre nach der erfolgten Umsteuerung der GAP im Zuge der McSharry-Reformen sind diese Prognosen nicht eingetreten. Der Marktpreis für Getreide und auch Milch liegt meist auf nicht kostendeckendem Niveau. Lediglich in kurzzeitigen Phasen eines Marktgleichgewichtes konnten Erzeugerpreise realisiert werden, die zumindest annähernd eine Vollkostendeckung zuließen.

Mit der GAP 2013 ist wieder ein Zeitpunkt erreicht, der zu einem grundsätzlichen Überdenken der EU-Agrarpolitik Anlass geben muss. Die bisherige europäische Agrarpolitik führte zu einem massiven Abbau der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft ohne gleichzeitig eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive für die noch in der Produktion verbleibenden Landwirte zu schaffen. Verbunden damit ist eine massive Intensivierung der Landwirtschaft sowie eine immense soziale Belastung der in der Landwirtschaft tätigen Menschen festzustellen. Bei der Verteilung der Finanzmittel wurde dem Arbeitskräftebedarf, welcher in den einzelnen Sparten der Landwirtschaft sehr unterschiedlich ausfällt, keine Beachtung geschenkt.

Die aktuelle Situation

70 % der landwirtschaftlichen Einkommen werden aus staatlichen Trans-ferzahlungen generiert. Dabei wird nicht danach unterschieden, welcher Arbeitsaufwand in den einzelnen Produktionszweigen nötig ist. Tierhaltende Betriebe und im Besonderen die Milchviehhaltung sind eklatant benach-teiligt. Ihr Arbeitszeitaufwand zur Erzielung der Betriebseinkommen wird nicht entsprechend entlohnt.

Mit einem Milchpreisniveau von ca. 30 Cent/kg kann keine Vollkostendeckung erzielt werden, laut European Dairy Farmers (EDF) lag diese in 2009 bei 41,8 Cent/kg. Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft hat ebenfalls 2009 eine Kostenniveau von über 40 Cent errechnet. Somit lässt auch das derzeitige Milchpreisniveau keine nachhaltige Entwicklung der Milchviehbetriebe zu.

In der Milcherzeugung nimmt die Konzentration in Gunstlagen immer mehr zu. Damit geht ein Intensivierungsprozess einher, der einen zunehmenden Wettbewerb um den Produktionsfaktor Boden zur Folge hat. In gleichem Maße steigt auch der Bedarf an Importfuttermittel mit immensen negativen ökologischen Auswirkungen.

Das EU-Agrarmodell führte aber nicht nur zu den schon beschriebenen negativen Entwicklungen innerhalb der EU. Gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern wurden damit durchaus nicht zu vernachlässigende, negative Entwicklungen ausgelöst. Europäisches, mit Exporterstattungen „marktfähig“ gemachtes Milchpulver, hat nicht wenige Projekte der Entwicklungshilfe zerstört, zumindest massiv gefährdet.

Für eine erfolgreiche Zukunft der Milcherzeugung in Deutschland und Europa

Die Diskussion um die GAP 2013 muss auf eine breite Basis gestellt werden - Agrarpolitik kann nicht isoliert betrachtet werden. Es besteht eine große gesellschaftliche Relevanz: Nachhaltige Agrarpolitik kann nur dann erfolgreich für die ländlichen Räume sein, wenn eine große Zustimmung aus der Gesellschaft diese Politik mitträgt.

Vor dieser Situation darf auch die Politik die Augen nicht mehr verschließen! Der BDM und seine Partnerorganisationen auf europäischer Ebene haben sich zu einer gesellschaftsübergreifenden Allianz zusammengefunden. Die Plattform Agricultural and Rural Convention 2020 (ARC) ist Ausdruck dieser breiten Basis für eine Neuausrichtung der Agrarpolitik. Dabei kommt dem Milchsektor eine besondere Bedeutung zu, denn nur mit einer flächendeckenden Milchproduktion lassen sich ländliche Räume lebenswert halten und zu prosperierenden Wirtschaftsräumen entwickeln.

Zukünftig sollte wieder das ursprünglich formulierte europäische Agrarmodell mit einer Vielfalt an Betriebsstrukturen und Konzentration auf die Versorgung der Bürger in der EU in den Vordergrund gestellt werden. Dies schließt Exporte von hochwertig veredelten und somit hochpreisig zu verkaufenden EU-Nahrungsmitteln in Drittländer nicht aus. Nur mit einer Vielfalt an Betriebsstrukturen und einem flächigen Erhalt der Produktion von Lebensmitteln werden die ländlichen Räume zu stärken sein. Zur Stärkung der ländlichen Räume gehört auch der Erhalt der noch bestehenden Verarbeitungsstrukturen.

Notwendige Weichenstellungen in der Milchpolitik:

Der BDM sieht die Notwendigkeit, der Diskussion um die zukünftige Gestaltung der Prämienzahlungen eine Diskussion um die grundsätzliche Ausrichtung der EU-Agrarpolitik vorzuschalten.

Darüber hinaus muss über die Rahmenbedingungen für den Milchmarkt gesprochen werden, die eine Marktstellung der Milcherzeuger auf Augenhöhe mit den Milchverarbeitern und dem Handel zulassen.

Wir fordern daher:

1. Länderübergreifende Bündelung der Milch ermöglichen

Mit einer Gruppenfreistellungsverordnung für die Milcherzeuger muss die Grundlage für eine länderübergreifende Bündelung geschaffen werden. Die Verarbeitungsindustrie arbeitet längst über die einzelnen Mitgliedsstaaten der EU hinweg. Diese Möglichkeiten müssen den Milcherzeugern ebenfalls zugestanden werden.

2. Branchenorganisation Milcherzeugung (BOM) initiieren

Um nach 2015 den Markt mit Rohmilch marktkonform beliefern zu können, ist die BOM zu installieren. Diese BOM ist in drei Aufgabenfelder unterteilt: Neben einer Marktbeobachtungsstelle und einer Milchmarktsteuerungsstelle ist eine Milchsteuerungsstelle zu installieren. Stärken Sie die Position der Milcherzeuger in einem Markt, in dem ein Machtgefälle zu Ungunsten der Milcherzeuger besteht – wie auch das Bundeskartellamt in seiner Sektoruntersuchung bestätigt hat.

3. Vertragsbeziehungen zwischen Milcherzeuger und Molkerei klar regeln

Damit der Milcherzeuger wirtschaftliche Planungssicherheit erhält, was er für seine den Molkereien zugeführte Milch als konkreten Gegenwert erwarten kann, sind klare und deutliche Vertragsbeziehungen vorzugeben. Das bisherige Preisbildungsmodell von oben nach unten wälzt das Marktrisiko nahezu komplett auf die Milcherzeuger ab – wir brauchen Ihre Unterstützung, um die Preisfindung umkehren zu können.

4. Klarheit in der Kennzeichnung

Der Verbrauchertäuschung muss ein Ende bereitet werden - es muss in der Packung drin sein, was drauf steht. Dabei muss die Herkunft der verwendeten Grundstoffe klar und deutlich gekennzeichnet werden.

Gerne arbeiten wir an der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung dieser Forderungen mit! Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft der Milch- und Landwirtschaft gestalten! Dazu bedarf es eines breiten Dialogs mit allen Akteuren der Märkte. Wir bringen uns ein!


Sofortige Umsteuerungsmaßnahmen für den Milchmarkt gefordert!

Der Milchmarkt befindet sich in einer dramatischen Lage. Ausgelöst
durch ein Überangebot an Rohmilch befinden sich die Milcherzeugerpreise
auf einem historisch niedrigen Niveau. Die prognostizierte
Nachfragesteigerung in Drittländern ist nicht eingetreten. Im
Zusammentreffen mit einer weltweiten Ausweitung der Milchproduktion
kollabieren die Milchmärkte aktuell. Auch wenn die EU-Milchquoten nicht
ganz ausgenutzt werden, liegen die Produktionsmengen innerhalb der EU
doch über der realen Nachfrage.

Um schnellstmöglich wieder ein Marktgleichgewicht herstellen zu
können, sind neben Absatz fördernden Maßnahmen vor allem Angebot
anpassende Schritte notwendig. Angesichts der dramatischen
Liquiditätslage sehr vieler Milchviehbetriebe ist es nun unerlässlich,
auch sofort wirksame Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit
anzugehen. Generell gilt, dass sämtliche Möglichkeiten sowohl auf EU-
als auch auf nationaler Ebene zu nutzen sind, um das Marktgleichgewicht
wiederherzustellen.

1. Milchmarktgleichgewicht wiederherstellen

  • EU-weit:

    1. Die Milchmengensteuerung ist auf EU-Ebene zu
      flexibilisieren: Auf Marktveränderungen muss zukünftig umgehend und
      permanent mit einer Anpassung der Produktionsmengen reagiert werden. Die
      Produktionsmengen sind so anzupassen, dass die Molkereiwirtschaft in
      die Lage versetzt wird, kostendeckende Milchpreise zu erwirtschaften.
    2. Die seit 1.4.2008 wirksam gewordenen Milchquotenerhöhungen sind bis zu einer Veränderung der Marktlage wieder auszusetzen.
  • National:

    1. Die zum 1.4.2009 wirksam gewordene 1%ige Milchquotenerhöhung ist marktunwirksam in der Länderreserve zu belassen.
    2. Im Rahmen einer Lieferverzichtsregelung ist für die
      Milcherzeuger die Möglichkeit zu schaffen, einen Teil der betrieblichen
      Milchquoten gegen Entschädigung vorübergehend stillzulegen.
    3. Im Rahmen einer eventuell zeitlich befristeten
      Vorruhestandsregelung müssen die damit freigesetzten Milchquoten
      ebenfalls der Länderreserve zugeführt werden.
    4. Die in der Länderreserve befindlichen Milchquotenmengen
      dürfen, zumindest bis es die Marktlage wieder erlaubt, nicht mehr zur
      Produktion freigegeben werden.
    5. Damit sämtliche Marktgleichgewicht herstellenden
      Maßnahmen überhaupt Wirkung entfalten können, müssen die
      Saldierungsmöglichkeiten - dem Beispiel anderer Länder (Frankreich,
      Dänemark etc.) folgend - abgeschafft bzw. zumindest wirksam beschränkt
      werden.

2. Bestehende Produktbestände abbauen

Die in den Interventionsbeständen befindlichen Produktmengen sind
gemäß unserem Konzeptpapier vom 4. Dezember 2008 mit entsprechenden
Stützungszahlungen schnellstmöglich marktunschädlich dem
Futtermittelsektor zuzuführen. Dafür sind die im Rahmen des so genannten
Milchfonds vorgesehenen Mittel oder Mittel der EU-Marktordnung
(Intervention, Exporterstattungen) zu verwenden.

3. Erhöhung des Milchabsatzes

  1. Bei der Herstellung von Produkten für den Lebensmittelsektor
    sind bestimmte Mindestanteile von Milch und Milchfett genau zu
    definieren. Nur bei Einhaltung bestimmter Mindestanteile darf auch mit
    dem Wort und Bild „Milch“ geworben werden.
  2. Schulmilchprogramme zu nachhaltigen Steigerung des Milchverbrauches und dessen Wertschätzung sind zu intensivieren.
  3. Kampagnen zur Bewusstseinsbildung der ernährungsphysiologischen
    Bedeutung der Milch und damit Ankurbelung des Verbrauchs sind zu
    starten.

4. Kostenentlastung

Der Umrechnungsfaktor für Milch muss umgehend dem EU-Niveau von
1,03 angepasst werden. Damit ist eine Kostenreduktion für die deutschen
Milcherzeuger von 1 % zu erreichen.

5. Änderung des Kennzeichnungsrechtes

Um eine weitergehende Verbrauchertäuschung zu unterbinden, ist
umgehend das Kennzeichnungsrecht anzupassen. Bei Monoprodukten und bei
zusammengesetzten Lebensmitteln ist für die wichtigsten Zutaten, d.h.
Wert gebenden Zutaten wie Milch mit mehr als 25% Anteil am fertigen
Lebensmittel, das jeweilige Herkunftsland anzugeben. Nicht der Abfüllort
darf maßgeblich für die Deklaration sein, sondern das Herkunftsgebiet
der Milch.

6. Liquidität schaffen

  1. Die Auszahlung der EU-Direktzahlungen ist auf den frühest möglichen Termin vorzuziehen.
  2. Die im EU-Konjunkturpaket bereitgestellten Mittel in Höhe von 90
    Mio. Euro sind den Milchviehhaltern umgehend zur Verfügung zu stellen.
    Bei der Auszahlung ist auf bürokratische Hemmnisse zu verzichten.
  3. Die sofortige  Bereitstellung von zinslosen Liquiditätsdarlehen,
    die über die Hausbanken zu beantragen sind, ist zu gewährleisten.

Sämtliche Maßnahmen zur Marktbereinigung können vom BDM nur
mitgetragen werden, wenn entsprechende Maßgaben, die eine nachhaltige
Schaffung eines Marktgleichgewichtes ermöglichen, mit beschlossen
werden. Einseitige finanzielle Hilfen ohne Beseitigung der eigentlichen
Problemursachen verpuffen in ihrer Wirkung und sind deshalb kritisch zu
sehen. Insbesondere das Vorziehen der Direktzahlungen macht nur dann
Sinn, wenn gleichzeitig daran gearbeitet wird, ein Marktgleichgewicht zu
schaffen. Geschieht dies nicht, wird das dadurch jetzt „gestopfte“
Liquiditätsloch in der gleichen Intensität am Jahresende, wenn dann die
Direktzahlungen fehlen, wieder auftreten.

Nur mit einer schnellen Umsteuerung des Milchmarktes wird die
Möglichkeit geschaffen, eine wirtschaftliche Milchproduktion mit all
ihren positiven Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft zu
erhalten.